„Unheilbar SV-verrückt“

Am gestrigen Mittwochabend kamen über 100 Mitglieder zur Jahreshauptversammlung 2019 ins BWT-Stadion am Hardtwald.

Auf dem richtigen Weg

Nach dem Gedenken an die verstorbenen Mitglieder ließ Präsident Jürgen Machmeier in seiner Einstiegsrede das vergangene Fußballjahr Revue passieren. Er erinnerte an den schwachen Saisonstart, wodurch der SVS zum Handeln gezwungen war und mit Uwe Koschinat, der ebenfalls anwesend war, einen neuen Cheftrainer verpflichtete, „der mit seiner ehrlichen und geradlinigen Art überzeugt. Ein großes Dankeschön für seinen Einsatz für das gemeinsam formulierte Ziel Klassenerhalt.“ Auch nach Rückschlägen wie der 0:3-Heimniederlage gegen den FC Erzgebirge Aue Anfang März habe man weiter die Ruhe bewahrt und Uwe stets das volle Vertrauen ausgesprochen.

Doch die Konsequenz der unerwartet negativen Entwicklung nach Beginn der Rückrunde war der Abschied des langjährigen Geschäftsführers Sport Otmar Schork. „Ich möchte mich ausdrücklich bei Otmar für die letzten acht Jahre bedanken“, so Machmeier. „Er hat Großes geleistet. Ohne ihn wäre der SV Sandhausen in vielen Bereichen nicht da, wo er heute ist.“

Bereits zuvor hatte sich der SVS in beiderseitigem Einvernehmen von Marketing-Geschäftsführer Dag Heydecker getrennt, sodass seither Volker Piegsa die alleinige Geschäftsführung verantwortet. Auch ihm dankte Machmeier für seinen Einsatz und sein Engagement. „Ich sehe uns derzeit auf einem mehr als positiven Weg in der Entwicklung unseres Vereins.“ Durch die vor der Saison von Piegsa ins Leben gerufene Imagekampagne „Wir! Echt anders.“ habe man durch gezielte Aktivitäten eine Erhöhung der Reichweite sowie eine verbesserte Marktdurchdringung und vor allem eine Steigerung der Beliebtheit erreichen können. Als Beispiel führte Machmeier die Plakataktion in Hamburg an und erinnerte an die neueste Umfrage der TU Braunschweig, nach der der SVS zu einem der beliebtesten Vereine der Ersten und Zweiten Liga gehört. „Auch die durchweg positiven Rückmeldungen unserer Sponsoren dokumentieren, dass wir mit der Kampagne auf dem richtigen Weg sind.“

Neuer Beirat

Der besondere Dank galt allen Sponsoren und Partnern, „denn ohne Sie wäre der SVS schon lange kein Bestandteil der 2. Liga mehr.“  Zudem werde in der kommenden Woche ein Beirat neu aufgestellt und zusammengesetzt. „Hier werden künftig hochrangige Personen unserer Premiumsponsoren sitzen und uns beratend zur Seite stehen.“ Bereits sieben Personen aus Vorständen und Geschäftsführungen unserer Partner haben sich dazu bereiterklärt, mitzuarbeiten. Diese Maßnahme bezeichnete Machmeier als ein deutliches und bedeutendes Signal, das dem SVS einen enormen Schub in der weiteren Entwicklung geben werde. Die erste Sitzung soll am kommenden Montag, den 13. Mai, stattfinden. Danach werden die Beiratsmitglieder bekanntgegeben.

Alles in der eigenen Hand

Im sportlichen Bereich werde man natürlich alles daransetzen, die Leistungsträger zu halten und die Mannschaft weiter zu verstärken. Nach der Serie der letzten Wochen mit acht Spielen ohne Niederlage (sechs Siege, zwei Remis) habe man nun am Sonntag gegen Bielefeld alles in der eigenen Hand. „Es gilt jedoch, nicht nur die nötigen Punkte zu holen, sondern eine noch bessere Tabellenplatzierung zu erreichen, die gleichbedeutend mit höheren TV-Geldern wäre“, gab Machmeier die Marschrichtung für die beiden noch ausstehenden Ligaspiele vor.

Hier setzte später am Abend auch der neue Sportliche Leiter Mikayil Kabaca an, der noch einmal daran erinnerte, dass nach dem Aue-Spiel „kaum noch jemand einen Pfifferling auf uns gesetzt hat.“ Doch die Mannschaft habe diesem Druck standgehalten und mit dem wegweisenden Auswärtsspiel in Magdeburg eine hervorragende Reaktion gezeigt. Der vergangene, von vielen als historisch betitelte Auswärtserfolg beim vielzitierten Angstgegner 1. FC Heidenheim sei einmal mehr ein Beleg für die Moral der Mannschaft gewesen, die sich auch durch die vielen personellen Rückschläge nicht aus der Spur bringen lässt. „Dabei wollte der Präsident schon das Hotel in Heidenheim umbuchen, in dem wir seit Jahren Quartier beziehen“, lachte Kabaca. „Zum Glück haben wir es diesmal trotzdem geschafft.“

Neben kleineren Arbeiten am Stadion werde man zudem den Bau der beiden neuen Trainingsplätze verstärkt in Angriff nehmen. Der Bau ist eine Auflage der DFL und zwingend zu erfüllen, um weiterhin die Lizenz für die 2. Liga zu erhalten. Die Weichen im Gemeinderat seien gestellt, sodass Ende 2019 mit dem Bau begonnen werden kann.

Jubiläumsjahr für Machmeier

Auch zum Abschluss hatte der Präsident Erfreuliches zu berichten. So wurde die Lizenz für die 2. Liga nach der fristgerechten Einreichung auflagenfrei erteilt. Doch bevor Machmeier das Mikrofon aus der Hand gab, richtete er noch ein Wort in eigener Sache an die Anwesenden. Denn in diesem Jahr ist er seit genau 20 Jahren Präsident des Vereins: „Eine für mich besondere Zahl und ein weiterer Ansporn. Ich möchte nämlich mein Jubiläumsjahr als Präsident eines Zweitligisten feiern, der ein großes Vorbild für viele kleine Vereine in Deutschland ist. Ich bin nach wie vor mit Herzblut bei der Sache und schlicht und ergreifend unheilbar SV-verrückt.“

„Ich habe tierisch Bock“

Mit mindestens genauso viel Herzblut bei der Sache ist Cheftrainer Uwe Koschinat, der zum Abschluss von den Fans zu Wort gebeten wurde. „Fortuna Köln zu verlassen, fiel mir sehr schwer, da ich wusste, was das dort auslösen könnte. Aber zum ersten Mal in meiner Laufbahn war ich egoistisch, weil ich gespürt habe, dass hier in Sandhausen etwas wachsen kann, wenngleich ich großen Respekt vor der Aufgabe hatte und habe.“ Am meisten beeindruckt habe ihn, dass er selbst in dieser „schwärzesten Stunde“ nach dem Aue-Spiel nicht als Problem gesehen wurde, sondern nach wie vor als Lösung. Auch in der Mannschaft habe keiner die Schuld bei anderen gesucht, sondern jeder Einzelne habe bei der Entwicklung mitgeholfen, die zu der gegenwärtigen Serie geführt hat. „Dahinter steckt jede Menge Arbeit, aber auch die Tatsache, dass viele Spieler momentan in der Form ihres Lebens sind.“ Dies sei jedoch auch notwendig, um solch eine Serie hinzulegen. „Noch stolzer wäre ich aber, wenn wir am Sonntag diesen letzten großen Schritt gemeinsam gehen können. Es ist für mich eine riesen Freude, jeden Tag im Team mit Mikayil Kabaca und Volker Piegsa zusammenarbeiten zu dürfen und das vorzubereiten, was in der nächsten Saison folgen soll. Ich habe tierisch Bock darauf und werde alles dafür geben, dass es in der 2. Liga sein wird.“

Nach diesem emotionalen Apell und den abschließenden Ehrungen für Hans-Jürgen Boysen mit der Silbernen Ehrennadel sowie Rudi Klingler, Uwe Zimmermann und Rainer Fetzer mit der Goldenen Ehrennadel, endete der offizielle Teil der Jahreshauptversammlung 2019 nach etwas mehr als eineinhalb Stunden und die Anwesenden ließen den Abend in gemütlicher Runde ausklingen.