31.03.2019 13:30 Uhr

Sandhausen gewinnt in Ingolstadt mit 2:1 

Durch den späten Treffer von Andrew Wooten und nach fast 100 Minuten Wille, Kampf und Leidenschaft sichert sich der SV Sandhausen beim FC Ingolstadt drei enorm wichtige Punkte und feiert den dritten Sieg in Folge.

Karl fällt aus

Eine Änderung nimmt Cheftrainer Uwe Koschinat im Vergleich zum 4:0-Heimsieg gegen St. Pauli vor – die allerdings gezwungenermaßen. Markus Karl steht aufgrund einer Fußprellung nicht im Kader, für ihn beginnt Erik Zenga. An der offensiven Ausrichtung soll sich aber trotzdem nichts ändern, verspricht Koschinat im Vorfeld der Partie bei den „Schanzern“. Und schon nach zwei Minuten tauchen die Sandhäuser das erste Mal gefährlich vor dem gegnerischen Tor auf: Nachdem kurz zuvor Cohen eine Möglichkeit per Kopf vergibt, steht im direkten Gegenzug Schleusener auf der anderen Seite am Sechzehner. Aber sowohl seinen ersten Abschluss, als auch den Nachschuss kann Tschauner entschärfen.

Früher Rückschlag

Ingolstadt versucht in den Anfangsminuten zwar das Spiel zu machen, aber Sandhausen findet mit zunehmender Spieldauer besser in die Partie. In der neunten Minute steht nach schönem Zuspiel von Förster Linsmayer sechs Meter vor Tschauner, wird jedoch im letzten Moment am Abschluss gehindert. Umso bitterer ist der Gegentreffer nur drei Minuten später. Kotzke kann unbedrängt aus dem rechten Halbfeld flanken und findet am langen Pfosten Paulsen, der aus kurzer Distanz das 1:0 köpfen kann.

Alu-Pech für Paqarada

Die Sandhäuser sind nach diesem frühen Rückschlag um eine schnelle Antwort bemüht. Förster fängt an der Strafraumkante einen Klärungsversuch von Tschauner ab und schießt aufs Tor, doch der Ball wird noch von Schleusener abgefälscht und landet weit neben dem Tor. Mit zunehmender Spieldauer ist es der FCI, der das Spiel macht und immer wieder gefährliche Flanken von außen schlägt. Alle Hände voll zu tun für die Sandhäuser Hintermannschaft um Verlaat und Zhirov. In der 38. Minutedann aber fast der Ausgleich: Paqarada probiert es von der linken Strafraumkante mit dem schwächeren Rechten und scheitert am Aluminium, nachdem der Ball vom Innenpfosten zurück ins Spielfeld springt.

Schleusener verletzt sich schwer

Den nächsten Schreckmoment gibt es für den SVS kurz vor der Pause. Zenga steckt durch auf Schleusener, der in hohem Tempo heftig mit Tschauner zusammenprallt. Während der Ingolstädter Schlussmann nach kurzer Behandlung wieder steht, hat der Sandhäuser Stürmer wohl eine schlimmere Verletzung am linken Unterschenkel davongetragen und muss mit der Trage vom Platz transportiert werden. Für ihn kommt Behrens in die Partie. In der vierten Minute der Nachspielzeit trifft Kittel dann noch den Außenpfosten – Glück für den SVS! Kurz darauf ist Pause.

Behrens gleicht aus

Während Schleusener mit Verdacht auf Unterschenkelbruch ins Krankenhaus gefahren wird, geht es auf dem Platz nach dem Seitenwechsel ohne personelle Änderungen weiter. In den ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff ist Ingolstadt die aktivere Mannschaft. Doch diesmal ist es der SVS, der das Tor erzielt. Kapitän Diekmeier sprintet über die rechte Außenbahn bis an den gegnerischen Strafraum und flankt punktgenau auf Behrens, der den Ball per Kopf perfekt im kurzen Eck unterbringt. Der Ausgleich zu einem wichtigen Zeitpunkt der Partie!

Linsmayer scheitert an Tschauner

Im Anschluss an das 1:1 geht es lange Zeit hin und her, mit je einem Höhepunkt auf beiden Seiten. In der 62. Minute prüft Linsmayer mit einem schönen Schlenzer Tschauner, der sich lang macht und den Ball gerade noch zur Ecke klären kann, die wiederum nichts einbringt. Eine Viertelstunde später – mittlerweile ist Müller für den angeschlagenen Zenga in der Partie – kontert Ingolstadt über Sahin, der auf Kittel ablegt. Ingolstadts Zehner kommt frei zum Abschluss, zielt aber deutlich zu hoch. Für die letzten zehn Minuten bringt Koschinat mit Guédé den letzten Joker. Für ihn verlässt der angeschlagene Linsmayer den Platz.

Wooten mit dem Siegtreffer

Die Schlussminuten sind dann an Dramatik kaum zu überbieten. Vier Minuten Nachspielzeit werden angezeigt und beide Mannschaften scheinen sich mit dem Unentschieden nicht zufrieden geben zu wollen. Ingolstadt rennt an, Sandhausen lauert auf Konter. In der 91. Minute tankt sich Behrens über rechts bis an den Strafraum und sucht einen Abnehmer,findet jedoch keinen und die Gastgeber können klären. Eine Minute später kennt der Jubel dann keine Grenzen mehr: Nach ganz starkem Zuspiel von Förster taucht Wooten alleine vor Tschauner auf, behält im Eins-gegen-Einsdie Nerven und überlupft den Keeper zum 2:1 für den SVS. Der elfte Saisontreffer des US-Amerikaners!

Dritter Sieg in Folge

In der vierten Minute der Nachspielzeit müssen die Schwarz-Weißen dann noch einmal tief Luft holen. Freistoß für Ingolstadt, Tschauner ist mit vorne, und der Ball fliegt nach einem Kopfball auf das Sandhäuser Tor zu – aber Schuhen ist zur Stelle und begräbt den Ball unter sich. Kurz darauf ist Schluss in Ingolstadt und der SV Sandhausen sichert sich durch den drittenSieg in Folge die drei nächsten wichtigen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Fußball-Bundesliga!

Weiter geht’s am kommenden Samstag, den 06. April, mit dem Heimspiel gegen den SC Paderborn. Anpfiff im BWT-Stadion am Hardtwald ist um 13 Uhr.

FC Ingolstadt 04: Tschauner – Paulsen, Kotzke, Mavraj, Otavio – Träsch (75' Kaya), Krauße, Cohen (C), - Pledl (66' Sahin), Lezcano (86' Kutschke), Kittel

SV Sandhausen: Schuhen – Diekmeier (C), Verlaat, Zhirov, Paqarada – Linsmayer (80' Guédé), Zenga (70' Müller) – Gíslason, Förster, Schleusener(45+1' Behrens) – Wooten

Tore: 1:0 Paulsen (12'), 1:1 Behrens (55'), 1:2 Wooten (90+2')

Zuschauer: 9.317

Die Stimmen zum Spiel FC Ingolstadt - SV Sandhausen:

Uwe Koschinat: "Man muss ehrlicherweise sagen, dass wir im ersten Durchgang große Probleme mit der Spielweise der Ingolstädter hatten, die das Spiel in unserer Hälfte gehalten hat und gefährlich über die Außen kam. Zwar hatten auch wir unsere Chancen, aber unter dem Strich hat mir unsere Spielanlage überhaupt nicht gefallen. In der zweiten Halbzeit konnten wir das Spiel dann lahmlegen und jeder hat gemerkt, wie viel Druck auf beiden Mannschaften lastet. Wir wollten nicht das 0:2 kassieren, weshalb unsere Offensivbemühungen etwas vorsichtig waren. Zum Glück ist uns durch eine Energieleistung von Diekmeier der Ausgleich durch Behrens gelungen. Danach war es ein Spiel der Nerven. Ingolstadt wollte unbedingt gewinnen und hat offensiv gewechselt, wir wollten den Punkt unbedingt sichern, aber gleichzeitig auch auf drei Punkte lauern. Am Ende haben wir begünstigt durch die Verletzung von Mavraj vielleicht etwas glücklich gewonnen. Auf der anderen Seite hat die Mannschaft heute aber gezeigt, dass sie ihre Nerven im Griff und den Abstiegskampf angenommen hat. Wir sind in der Lage, ein Spiel zu drehen und natürlich war das heute ein eminent wichtiger Sieg."

Mikayil Kabaca: "Wir widmen diesen Sieg Fabian Schleusener. Die Mannschaft hat heute gezeigt, dass sie den Abstiegskampf voll angenommen hat und bereit ist, alles zu geben. Wir haben wirklich eine tolle Moral an den Tag gelegt. Wir sind fast aus dem nichts in Rückstand geraten und haben danach den Faden verloren. Hinzu kam die Verletzung von Schleusener. Das erste, was in der Halbzeit in der Kabine gesprochen wurde, war, dass wir das Spiel für Fabian drehen werden. Und wir haben Wort gehalten. Aufgrund der Großchancen sehe ich den Sieg verdient. Der Trainer hat eine Systemumstellung vorgenommen und man hat gesehen, dass Ingolstadt Probleme in den Kopfballduellen mit Behrens hatte. Nächste Woche kommt Paderborn und die haben zuletzt bewiesen, dass sie eine Spitzenmannschaft sind. Das wird ein sauschweres Spiel. Aber wenn die Mannschaft so auftritt, wie in den letzten Wochen, dann werden wir auch am Samstag etwas mitnehmen."

Dennis Diekmeier: "Ich muss sagen, dass der Trainer in der Halbzeit einen extrem guten Zug gemacht und im System umgestellt hat. Wir sind danach viel besser ins Spiel gekommen und hatten wesentlich mehr Zugriff. So konnten wir unser Spiel wieder besser nach vorne tragen und das war heute entscheidend. Die Verletzung von Schleuse ist natürlich extrem bitter, gerade weil er in den letzten Wochen sehr gut drauf war und wir uns sehr gut verstehen. Aber auch wenn sich das so kurz nach dem Spiel blöd anhört: wir müssen weiter positiv nach vorne schauen, gerade die Spieler, die ihn nun auf seiner Position ersetzen werden. Kevin hat das heute überragend gemacht, wenngleich solch eine Verletzung niemals schön ist."

Kevin Behrens: "Das war natürlich eine überragende Vorarbeit von Dennis Diekmeier, ähnlich der im Spiel gegen St. Pauli. Danach köpfe ich den Ball ins Tor und konnte gemeinsam mit unseren Fans jubeln. In solch einem Spiel ist da die Freude natürlich noch einmal ein Stück weit größer. Mein Jubel war auch an meine schwangere Frau gerichtet, die im Juli unser Kind erwartet. Ich bin oft von der Bank gekommen und hänge mich immer voll rein. Schön, dass das heute mal belohnt wurde. Schon kurz nach der Verletzung von Fabian Schleusener wurde mir gesagt, ich solle mich bereit machen. Das war für uns alle ein Schock und den mussten wir erst einmal verdauen. Der Sieg gehört auch ihm und wir hoffen, dass er schnell wieder gesund wird."

Andrew Wooten: "Natürlich freue ich ich mich über meinen Treffer. Es war frustrierend, als Stürmer 90 Minuten lang nicht aufs Tor geschossen zu haben. Den Lupfer habe ich ja schon zehn Minuten vorher versucht, stand allerdings im Abseits. Das fühlt sich richtig gut an. Wir sind schwer ins Spiel gekommen, haben in der zweiten Halbzeit dann aber alles rausgehauen und uns einige Chancen erarbeitet. Deshalb haben wir meiner Meinung nach auch verdient gewonnen. Wir wünschen Schleuse alles Gute und hoffen, dass er bald wieder fit sein wird. Jeder Einzelne ist wichtig, jeder Einzelne wird gebraucht. Dazu gehören auch unsere Fans, die uns bis zum Schluss nach vorne gepeitscht haben und bei denen wir uns nach dem Spiel noch einmal für diese tolle Unterstützung bedankt haben."

Marcel Schuhen: "Wir waren gut auf das Spiel vorbereitet und wussten im Vorfeld, dass Ingolstadt schon viele späte Gegentore kassiert hat und wir geduldig sein mussten. Das war heute entscheidend. Wichtig war das 1:1 nach der Pause, denn die erste Halbzeit war nicht gut. Am Ende war heute vielleicht auch das gewisse Quäntchen Glück dabei. Unsere Fans waren heute sensationell! Ich kam raus zum Warmmachen und es war direkt Stimmung da. Das war richtig, richtig geil! Wenn man dann in der letzten Sekunde solch ein Spiel noch gewinnt, dann freut es uns, dass wir so etwas zurückgeben können. Nach der Verletzung von Schleusener durften wir im Spiel den Fokus nicht verlieren. Das war eine schwierige Situation. Jetzt nach dem gilt einfach nur zu sagen: gute Besserung!"

FC Ingolstadt 04 - SV Sandhausen (1:2)

FC Ingolstadt 04 SV Sandhausen
Die Aufstellungen am 31.03.2019 13:30 Uhr
Tschauner - Paulsen - Kotzke - Mavraj - Otávio Rosa da Silva - Krauße - Träsch (75. Kaya) - Cohen - Pledl (66. Sahin) - Lezcano (86. Kutschke) - Kittel Schuhen - Diekmeier - Verlaat - Zhirov - Paqarada - Linsmayer (81. Guédé) - Zenga (70. ERROR!) - Gislason - Förster - Schleusener (45. Behrens) - Wooten
Auf der Auswechselbank
Buntic, Neumann, Kerschbaumer, Kaya, Kutschke, Röcher, Sahin Lomb, Dieckmann, Kister, ??, Taffertshofer, Behrens, Guédé
Die Trainer
Jens Keller Uwe Koschinat
So fielen die Tore
11. Björn Paulsen 1:0 55. Kevin Behrens 1:1
90. Andrew Wooten 1:2
Schiedsrichter
unbekannt
Zuschauer
9317